Fernsehen, Musik und Videos aus einer Box = MythTV

Geschrieben von Axel Pospischil am 24. Oktober 2010. Zugeordnete Stichwörter: , .

Nach Jahren der Nutzung von MythTV durfte das System nun auf einen neuen "alten"  Rechner umziehen. Ich bin sowieso niemand, der dem neuesten Hardware Hype ständig hinterherläuft. Und so tat MythTV auf einem alten Pentium III mit 512 MB Ram Arbeitsspeicher jahrelang klaglos und unauffällig seinen Dienst und streamte mit zuverlässiger Präzision über das Netzwerk auf sämtliche Rechner das Fernsehprogramm, auch über Funk auf den Laptop. Ich geniesse dadurch die Vorzüge eines praktisch werbefreien Fernsehprogramms. Zudem werden die Sendungen automatisch aufgenommen, auch Serien können problemlos programmiert werden. So ist man unabhängig von der Flimmerkiste und kann fernsehen wann immer wann will, oder es eben lassen. Wenn man will kann man sogar die aufgenommenen Sendungen einfach auf eine DVD brennen (ohne Werbung versteht sich). Alles hängt an einem guten alten analogen Verstärker und zwei schönen Boxen, also völlig ohne digitalen Ausgang oder "x-zu-x-Surround-Sound-Tralala" - sowas brauche ich (noch) nicht ;)

Nun kam es, dass ich einen alten Rechner mit etwas besserer Hardware geschenkt bekam. Ausserdem ging gerade mein alter IBM 21 Zöller Röhrenmonitor kaputt und ein HDMI fähiges Gerät hielt Einzug. Und so reifte der Entschluss, das System neu aufzusetzen (die alten Daten sollten natürlich erhalten bleiben).

Was kann MythTV

Aber MythTV kann noch mehr: alle LIRC kompatibeln Infrarot-Fernbedienungen, wie z.B. die Linux kompatible Streamzap lassen sich mit geringem Aufwand verwenden.

Aber auch Videos - als Dateien in allen denkbaren Formaten, aber auch als DVD und Bluerays (ab der MythTV Version 0.24.x) lassen sich abspielen.

Selbstverständlich kann MythTV auch Musik CDs oder eine MP3 Sammlung verwalten und abspielen. Wobei ich allerdings anmerken muss, dass der Komfort der Musikverwaltung noch sehr zu wünschen übrig lässt. Andere Programme leisten hier wesentlich mehr. Der Fokus liegt eindeutig auf "abspielen", weniger auf "verwalten". Das lässt sich aber verschmerzen, da sich ja problemlos andere Programme auf das System aufspielen lassen.

Als Basisbetriebssystem kommt natürlich wieder Ubuntu zum Zug, da die MythTV Unterstützung und Einrichtung hier sehr einfach ist. Sollten Sie als Windowsbenutzer versehentlich auf diesen Artikel gestossen sein, so ist dies vielleicht die Gelegenheit, endlich auf Linux umzusteigen ;) Ansonsten ein herzliches Adieu an dieser Stelle.

Was kann MythTV (noch) nicht

  • Musik des Backends auf fernen Rechnern abspielen.
  • Videos des Backends auf fernen Rechnern abspielen.

... sofern die Verzeichnisse des Backends nicht über ein Netzwerkdateisystem auf diesen Rechnern eingehängt sind (mittels z.B. Samba oder NFS).

Zudem können keine Playlisten von anderen Programmen importiert werden, was mich ehrlich gesagt ein wenig stört. Auch kann man keine Playlisten auf CDs brennen. Aber dafür gibt es ja schliesslich Rhythmbox & Co.

Doch die Entwicklung geht weiter und wenn ich daran denke, was vor Jahren noch alles nicht funktionierte und heute reibungslos geht ...

Zeit, Geduld und Sachkenntnis sind Vorraussetzung

Da diese Aktion nicht ganz so schnell von statten geht und einige Probleme dabei zu umschiffen waren will ich das Vorgehen in mehreren Artikeln dastellen.

  • Anfangen werde ich mit der MythTV-Installation in der Version 0.24 unter Ubuntu 10.10 / "Maverick Meerkat". mit einer DVB-T Karte. Erklären werde ich auch, weshalb ich die Entwicklerversion 0.24 verwende und nicht die "stabile" Version 0.23.1.
  • Weiter geht es mit der Konfiguration der Fernbedienung (Streamzap) mit Hilfe von LIRC (dem Linux Programm, um Infrarotgeräte zu steuern).
  • Ein elektronischer Programmführer - genannt EPG, der das Programm regelmässig aus dem Internet lädt, wäre auch ganz nett!
  • Und wie man den Rechner so konfiguriert, dass er sich automatisch ausschaltet und zu gegebener Zeit einschaltet (dann, wenn eine Aufnahme geplant ist), und wie man sonst noch eine Menge Strom sparen kann, erfart ihr dann in diesem Artikel.

Wer sich die Mühe macht, ein solches System zu installieren, wird mit viel Komfort belohnt. Aber die Einrichtung ist alles andere als trivial und sollte nur von Leuten durchgeführt werden, die sich sowohl einigermassen mit Linux auskennen, als auch in der Lage sind einen Rechner samt Hardware zusammenzubauen.

Ich setze an dieser Stelle voraus, dass der geneigte Leser sich zumindest den Artikel des Ubuntuusers Wiki zum Thema einmal durchgelesen hat. Ausserdem empfehle ich das sehr gute (englische) MythTV Wiki das alle möglichen Fragen rund um die Installation, Konfiguration und Hardware auflistet. Ich will nicht noch einmal alles zur Installation von MythTV erklären, was schon so viele Male gesagt worden ist ... Vielmehr konzentriere ich mich auf die Dinge, welche selten gesagt, aber oft nachgefragt werden ;)

Auch sollte man der englischen Sprache mächtig sein, denn viele Hilfen und Foren im Netz sind in englischer Sprache verfasst, ebenso wie das MythTV Wiki. Eine gute Quelle ist das englischsprachige MYthTV Forum "mythtvtalk" - mit einer deutschsprachigen Unterseite;)

Und noch ein Tip: nehmt euch Zeit! Eine MythTV Box ist ohne Vorkenntnisse nicht in einem, auch nicht in zwei Tagen zu schaffen. Man muss ausprobieren, testen, konfigurieren das System kennenlernen und eventuell Fehler zickiger Hardware umschiffen. Wer einen guten Freund hat, der sich schon damit auskennt, sollte den zur Hilfe bemühen ... Und noch mal: Rom ist auch nicht an einem Tag erbaut.

Kosten und Hardwarevorraussetzungen

Was die Kosten angeht, so kann ein solches System je nach Ausstattung zwischen 400 und 500 Euro liegen, aber auch weit darüber hinaus gehen. Wenn alte Hardware vorhanden ist, beschränken sich die Kosten auf den Kauf einer TV Karte, welche man entweder günstig bei ebay ersteigert (20€ - 50€) oder neu kauft (70€ - 150€). MythTV, wenn es nicht direkt zum Abspielen von hochauflösenden Videos verwendet werden soll, sondern die Daten rein über das Netzwerk zur Verfügung stellen, kann auf einem alten Pentium III mit 512 MB Ram problemlos laufen - eine geeignete (encodierende !) TV Karte, die das direkte Speichern des TV Streams unterstützt vorausgesetzt. Reine Musikwiedergabe stellt sowieso keine grossen Hardwareanforderungen.

Wer HDTV schauen möchte, oder Blue-Ray Videos in HD Qualität anschauen will, der kommt um eine moderne NVidia Grafikkarte mit VDPAU Hardwarebeschleunigung nicht herum (ab ca. 70€). MythTV unterstützt diesen Wiedergabemodus, der den Prozessor komplett von der Last befreit, die Video Darstellung zu verarbeiten.

Ich werde mich hauptsächlich mit den Problemen bei der Installation beschäftigen und weniger die Konfiguration von MythTV im einzelnen erklären. Dazu gibt es genug Anleitungen.Also schaut immer mal wieder rein. 

Die Artikel werden in Kürze hier nacheinander erscheinen: