Liebe - Freude - Treue - Glück

Geschrieben von Axel Pospischil am 3. Mai 2015. Zugeordnete Stichwörter: .

Diese Schrift aus dem Jahr 2011 ist einem tiefen Gefühl innerer Verbundenheit entsprungen. Sie hat Konstanten und Werte zum Thema, die erstens unabhängig von den Stürmen des Lebens ihre Gültigkeit behalten. Zweitens entwickeln wir uns immer weiter, suchen sie erst in unserem eigenen Leben nach den Wahrheiten und finden sie dann jedoch im Spiegel eines Anderen. Drittens wird im Laufe dieser Entwicklung die Wahrnehmung und Dankbarkeit für alles was im Leben IST und sich entwickelt immer tiefer, wertvoller und schöner.

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Vorwort

Sehr geehrte LeserInnen und Leser,
 
Ich lasse mich in meinem täglichen Leben immer wieder aufs Neue inspirieren. Von der Kunst, der Literatur, den Begegnungen mit Menschen und den mir anvertrauten Aufgaben. Dabei bin ich getragen von der Beschäftigung mit dem Jetzt - weniger mit dem Vergangenen - die waage Zukunft offenherzig aber klar im Blick. Immer wieder trete ich vor diesen Spiegel des Lebens um bewusst mein Denken, Reden und Handeln zu hinterfragen. Wer bereit ist - auf diese Weise inspiriert - sich weiter zu entwickeln, sich nicht scheut das Leben und seine Symbolik anzuschauen, zu lernen und sich zu ändern vermag dadurch seinem Lebensweg und dem seiner Nächsten in ganz natürlicher Weise treu bleiben. Er ist ganz im besten Wortsinne. Das Leben wird es danken und sich unbeschwert und von ganz alleine, zum Guten wenden.
 
Wer das nicht glauben kann und allen Skeptikern und Pessimisten sei gesagt: Ihr habt es nie wirklich versucht! Liebe, Treue, Freude und Glück gehören dazu. Es lohnt sich.
 
Axel C. R. Pospischil

Zu den Schriftzeichen

Im Japanischen werden die sogenannten Kanji-Schriftzeichen nur für bedeutungstragende Elemente, wie Nomen, den Verbstamm oder Adjektive verwendet. Darüberhinaus gibt es sogenannte Silbenschriftzeichen Hiragana und Katakana.
Die japanische Schrift hat eine lange Geschichte. Ursprünglich ist der Name Kanji abgeleitet von der chinesischen Han-Dynastie (1.-2. Jhd. n. Chr.), in der die chinesische Schrift vereinheitlicht wurde und das erste Schriftzeichenlexikon - das Shuowen Jiezi aus dem Jahr 121 n. Chr. - entstand. Die Japaner übernahmen jedoch nicht alle Schriftzeichen der Chinesen, eigene kamen hinzu.
Die Aussprache ist vom Japanischen zum Chinesischen sehr verschieden.
Man geht davon aus, das zwischen dem 3. - 5. Jahrhundert nach Christus die chinesischen Schriftzeichen nach Japan gelangten und der dortigen Sprache angepasst wurden. Dieser Prozess zog sich über Jahrhunderte hin, beginnend mit rein chinesischer Lesart bis hin zu einer Anpassung an die japanische Phonetik und Grammatik. Eine umfassende Schriftreform fand in Japan erst im Jahre 1900 statt, davor entschied die persönliche Vorliebe mit welchem Schriftzeichen welches Wort geschrieben wurde.
Für viele Wörter existieren aus diesem Grund mehrere Schriftzeichen, deren Bedeutung in vielen Fällen gleich sind oder sich nur in Nuancen unterscheiden.
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(a) Mensch - Shodo

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(b) Liebe - Ai
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(c) Treue - Chu

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(d) Freude - Yorokobi
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(e) Glück - Un

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(f) Grosses Glück - Daikichi

Part I. Liebe

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Erich Fromm schreibt in seinem Buch „Die Kunst des Liebens”, Liebe sei die Antwort auf das Problem der menschlichen Existenz. Die menschliche Existenz, so schreibt er, zeichnet sich vor allen Dingen durch eine Eigenschaft aus:
„Der Mensch ist mit Vernunft ausgestattet, er ist Leben, das sich seiner selbst bewusst ist”.
Beginnend mit einer kindlichen Phase der primären Bindungen, als Kind in der Gegenwart der Mutter, als menschliche Rasse im Einsseins mit der Natur löst sich der Mensch stetig aus dieser heraus. Aus diesem Grund fühlt sich der Mensch zunehmend abgetrennt, findet sich (scheinbar) in einer Welt der Begrenztheit wieder und wird letztlich mit der Begrenztheit seines eigenen Lebens konfrontiert. Hierin ist auch der Urgrund aller Angst zu finden. Das Gefühl des Abgetrenntseins ist es, was Angst in uns auslöst.
Es mag zunächst seltsam erscheinen, ein Kapitel über die Liebe mit dem Hinweis auf die Begrenztheit des Lebens und der Angst zu beginnen. Doch in dieser Realität finden wir uns leider meist wieder. Die Vernunft, das Denken spielen dabei eine nicht unerhebliche Rolle.
Ein christlicher Mystiker schreibt  [1] 
„Empfinden ist eine Sache, Denken eine andere, aber allzu oft färbt das Empfinden auf das Denken ab”.
[1] Mikhael Aivanhov, Gedanken für jeden Tag 2011, 11.01.:
 
Gerade in Zeiten der existentieller Ängste, wie sie breite Bevölkerungsschichten unsere Gesellschaft immer wieder erleben, ist es wichtig, sich der Rolle des vernünftigen Denkens wieder bewusst zu werden. Psychische Erkrankungen erleben in den Zivilgesellschaften eine Hochkonjunktur. Zudem in einer Zeit, in der mehr konsumiert, als vernünftig gedacht wird, ist die Gefahr des Zurückfallens in primitive Angstzustände - des Individuums, wie der Gesellschaft - groß.
Wir dürfen nicht verlernen zu denken, in An-dacht zu gehen. Heideger schreibt [2] 
Insofern das Gedächtnis als die Sammlung des Gemüts, als die An-dacht, nicht ab-läßt von dem, worauf es gesammelt ist, waltet im Gedächtnis nicht nur der Zug des wesenhaften Andenkens an etwas, sondern in einem damit der Zug des nicht ab und nicht loslassenden Behaltens.
Aus dem Gedächtnis und innerhalb seiner schüttet dann die Seele den Schatz der Bilder aus, d. h. der Anblicke, von denen sie selbst erblickt ist.

[2] Martin Heideger, Was heißt denken
 
Doch was sollen wir denken? Über was sollen wir nachdenken? Wie überwinden wir die Abtrennung vom Urgrund?
Auch hier kann Heideger auf die Sprünge helfen:
Der Gedanc [das althochdeutsche Wort gidanc, "der Gedanc"] bedeutet: das Gemüt, das Herz, den Herzensgrund, jenes Innerste des Menschen, das am weitesten nach außen und ins Äußerste reicht und dies so entschieden, daß es, recht bedacht, die Vorstellung eines Innen und Außen nicht aufkommen läßt.
Die Einfachheit dieser Aussage überrascht mich immer wieder aufs Neue. Wohl wenige würden im ersten Moment an eine Verbindung zwischen Verstand und Herz denken. Scheint doch seit Descartes alles in dieser Hinsicht auf den Kopf gestellt, getrennt zu sein. Stellt Heideger doch klar, dass die Aufhebung von Innen und Außen durch das Herz geschieht. Der Ursprung des verkopften Gedankens liegt also im Herzen.
In Verbindung mit der Erkenntnis, dass das „Gedächtnis nicht ablässt von dem, worauf es gesammelt ist”, ergibt sich für mich die freudige Pflicht zu zweierlei Dingen:
Erstens ist es notwendig, in sich unablässig eine Kultur der guten Gedanken zu pflegen. Wie ein Magnet zieht das Gedächtnis wieder und wieder das an, auf was es fokussiert ist. Kultivieren wir liebende Gedanken für uns und unsere Umwelt, machen wir den Gedanken zum Anker einer Welt, die die Trennung aufhebt. Und unser Denken wird dauerhaft davon bestimmt.
Zweitens ist das Bewusstsein entscheidend, dass das Herz, der Herzensgrund, und damit die Liebe, das Innerste von uns allen die größte Kraft und Reichweite von allem hat, was der Mensch zu tun in der Lage ist. Unsere Gedanken reichen damit über das Herz hinaus in die Welt und zu unseren Nächsten.
Eine so gereifte Liebe ist eine Form der Vereinigung mit unserer Umwelt - im privaten, wie im gesellschaftlichen Umfeld - „bei der die eigene Integrität und Individualität bewahrt bleibt”, schreibt Erich Fromm. Und weiter: „Liebe ist eine aktive Kraft im Menschen”.
Warum? Weil der Gedanke an die Liebe entscheidend ist, nicht eine Tätigkeit ist hier gemeint, sondern die absichtslose kontemplative Kraft des Gedankens über das Einssein von sich selbst mit der Welt. Ein ganz und gar zutiefst individueller, innerlich freiwilliger und unabhängiger Prozess! Erst wer also die Freiheit und Unabhängigkeit des Menschen anerkennt und fördert, bereitet der Liebe den Weg.
In diesem Sinne ist die Liebe die treibende Kraft, um jegliche Abgrenzung zu überwinden. Vorangebracht durch den Gedanken an das Gute als stetiger Begleiter, als Ge-danc.
Bleibt uns zu wünschen, dass wir den Mut haben in unserer Gesellschaft uns selbst und untereinander in Fürsorge, Verantwortungsgefühl, Achtung vor dem Anderen und Erkenntnis zu begegnen.

Part II. Treue

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Ein großes Wort. Ein Wort, das von Worten alleine nicht leben kann, sondern sowohl im Gedanken als auch durch Taten überzeugen will. Was im vorangegangenen Kapitel durch die Aktivität des Geistes und des Herzens quasi immanent im Herzen angelegt ist, erfordert die Treue, oder Loyalität schon ein wenig mehr Hingabe, ein Vorleben.
Treue kann man auf verschiedenen Ebenen erleben, individuell, in gesellschaftlichen Gruppierungen und auch Gruppen von Menschen untereinander pflegen Loyalität. Ich will in diesem Teil jedoch etwas persönlicher und weniger literarisch vorgehen. Wo habe ich Treue erlebt? Nun zunächst einmal in der Familie. Beginnen wir in dieser Hinsicht - bis auf wenige Ausnahmen - doch alle in der Familie.
Ich kann sagen, das meine Eltern mir immer in Loyalität und Treue begegnet sind. Und bei allen Problemen, die es in Familien und deren Dramen gibt, waren sie immer aufrichtig zueinander. Ich will nicht sagen, liebevoll, das trifft es nicht. Aber ehrlich. Echte Aufrichtigkeit, Ehrlichkeit und Loyalität ist nicht immer schön, nicht immer harmonisch. Doch die Treue, die daraus entsteht ist langfristig tragfähig.
Dies hat mich schon als junger Mensch und bis heute geprägt.
Ein Einschub sei mir an dieser Stelle gestattet. Neben der Kindheit ist es natürlich die Seele, welche im wesentlichen das Vertrauen für das Leben mitbringt (oder eben nicht). Ich meine damit nicht den unerschütterlich reinen Kern der Seele, welcher grundsätzlich das volle Vertrauen in die Schöpfung und alles Sein besitzt. Nein, derjenige Seelenanteil ist gemeint, der einen Erfahrungsschatz mitbringt über die Menschen, der denjenigen Charakter bildet, der jeden Menschen so einzigartig macht. Den Teil, in dem wir uns selbst die Aufgaben für dieses Leben stellen.
In der Regel treffen wir in der Schule wohl zum ersten Mal - im Kindergarten ist das Bewusstsein zur dauerhaften Selbstreflektion noch nicht so weit ausgeprägt - mit Menschen zusammen, welche unser inneres Bild von Treue ein weiteres Mal entweder entscheidend prägen oder zumindest auf die Probe stellen.
Es ist für einen jungen Menschen, der Treue gewohnt ist nicht immer einfach, Verbündete zu finden. Ich hatte dieses Glück und fand mich - zumindest mit Beginn der Gymnasialzeit - in einem kleinen Haufen loyaler Freunde wieder. Eine schöne Zeit, die ich ein bisschen als Inseldasein empfunden habe angesichts der vielen anderen jungen Leute, mit denen ich so gar nichts anfangen konnte. Da fragt man sich doch: Ist es denn wirklich gut, immer loyal und ehrlich zu sein? Da ich es nicht anders kannte, lebte der Rest der Welt eben auf einem anderen Stern. Oder war ich es, der auf einem anderen Stern lebte?
Irgendwie bringt mich das zurück zur Liebe, die ja auch ein höchst individueller Prozess ist, und genauso, wie man Liebe nur verschenken kann (und auch geschenkt bekommt), muss es sich wohl mit der Treue verhalten.
Der Gegenspieler der Treue ist der Verrat. Wer jemals verraten wurde, der weiss, wie tief sich dies in die Seele verletzend einbrennen kann und wie sehr wir Menschen alles vermeiden, um uns dem nicht auszusetzen. Ehrlich muss man sich fragen, wie sehr die gelebte Loyalität echt und nicht aus Angst vor Verrat - oder selbst als Verräter enttarnt zu werden - vorgespielt ist. Dies mag sich freilich jeder nur ehrlich selbst zu beantworten. Entscheidend ist in meinen Augen, immer wieder zurückzukehren zu der Erkenntnis, dass Treue ein gutes Gefühl vermittelt, sich auf Dauer lohnt und keine Narben hinterlässt.
Man wird älter und stellt fest: Treue muss und kann nicht erkauft werden. Sie wird einem geschenkt und ist an sich ein Wert, den man selbst aktiv anderen entgegenbringen muss. Jeder Tag fordert dazu auf, innerlich erneut den Treueschwur abzulegen. Das Leben stellt immer wieder Aufgaben, welche uns Entscheidungen im Für und Wider abverlangen. Man wird älter und stellt fest: manchmal ist es gut, die Treue auf einen gewissen Zeitraum zu beschränken, weil Menschen und Lebenssituationen sich ändern können - im Arbeitsleben zum Beispiel. Dankbar erkennt man, dass Treue nicht immer heißt, auf ewig zusammengeschweißt zu sein, sondern eben auch bedeuten mag, den andern gehen lassen zu können. Man wird älter und stellt fest: im Privaten möchte man das eigentlich nie erleben, es tut ganz schön weh - und kommt wieder zurück zu dem Schluss: Treue kann man nicht erwarten, sie wird einem geschenkt.
In der manessischen Liederhandschrift gibt es ein Gedicht, das in seiner wunderbaren Einfachheit das ausdrückt, wonach sich die Seele verzehrt, wenn sie an Treue denkt:
Dû bist mîn, ich bin dîn.
des solt dû gewis sîn.
du bist beslozzen in mînem herzen;
verlorn ist das sluzzelîn:
dû muost ouch immer darinne sîn.
Hier ist von der Treue zwischen zwei Menschen die Rede, besser gesagt von einem der beiden und wie er oder sie sich das vorstellen mag. Es ist von einem Schlüssel die Rede, der die Herzensangelegenheit besiegelt. Der Schlüssel wurde vorsorglich verloren, damit auch ja die Gute (oder der Gute) nicht ausbüchsen kann (emotional gesehen). Doch auch bei tiefstem Respekt vor diesem Stück naiver Dichtkunst aus dem 12. Jahrhundert: mit Trauen, Zutrauen oder Vertrauen hat das nicht viel zu tun. Diese Form der Treue halte ich nicht für besonders tragfähig.
Treue sollte den Anderen in seiner Freiheit bestätigen, ermutigen, stärken, Sicherheit geben. Doch Freiheit beinhaltet eben auch das Versprechen, das der Schlüssel zur Freiheit für das Gegenüber jederzeit griffbereit ist. Treue ohne Freiheit ist keinen Treue, sondern Abhängigkeit, ein Gefängnis.
Aus diesem Grunde ist es so schwer treu zu sein: es ist ein gegenseitiger (!) selbstloser Akt, der verletzlich macht und in täglicher Pflicht dazu aufruft, den andern in Treue freizugeben.
In diesem Sinne wünsche ich uns, das wir uns und anderen verzeihen können - in privaten und anderen Bereichen -, wenn das Treueverhältnis einseitig gekündigt werden musste, ein Treueversprechen, dass wir einander gegeben haben.

Part III. Freude

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Eine der schönsten Empfindungen, die mit allen anderen wertvollen Gefühlen einhergeht ist die Freude. Zur Freude gibt es nicht viel zu sagen. Sie ist in uns angelegt. Betrachtet man die Schöpfung, so kann man wohl schwer davon ausgehen, das der Schöpfer in Abwesenheit von Freude gehandelt haben mag - was man von so mancher menschlicher Schöpfung nicht immer behaupten kann.
Freude ist die grundlegende Eigenschaft der Schöpfung. Wer sie ignoriert, landet im Sumpf der Unausgewogenheit, der Hässlichkeit und der Agonie - kopfüber. So einfach ist das! Historische Beispiele gibt es zu Hauff, es sei mir an dieser Stelle verziehen, nicht auf alle Einzelheiten der (Zeit-)Geschichte einzugehen.
Interessanterweise spielt die Freude in der Philosophie kaum eine Rolle. Epikur jedoch wahr einer der wenigen, der sich neben den wichtigeren Themen „Freiheit”, „Wahrheit”, „Frieden” u.s.w. ausgiebig [3] diesem Thema gewidmet hat. Er soll an dieser Stelle zu Wort kommen:
Man kann nicht in Freuden leben, ohne mit Vernunft, anständig und gerecht zu leben; aber man kann auch nicht vernunftvoll, anständig und gerecht leben, ohne in Freuden zu leben. Wenn aber die Voraussetzung zu einem vernunftvollen, anständigen, gerechten Leben fehlt, der kann auch nicht in Freuden leben.
 
 [3] Epikur, Philosophie der Freude
 
Was der Natur so einfältig und einfach von der Hand geht, nämlich sich einfach des Lebens zu freuen, das ist für den Menschen scheinbar wieder nur über den Verstand zu regeln. Diese Erkenntnis fußt wohl auf der Tatsache - ich kann dies nur annehmen, da Epikur leider nicht zur Fragestunde zur Verfügung steht -, dass der Mensch eben nicht immer ein Weisenknabe ist. Leben bringt Verantwortung mit sich, die Pflicht zu vernünftigem, anständigen und gerechten Leben (und Denken, wie schon weiter oben festgestellt). Freude ist zwar eine im Menschen angelegte Eigenschaft, jedoch kann sie getrübt werden.
Epikur hat die Ethik des Zusammenlebens in den Vordergrund gestellt. Und: „Ziel des Lebens ist die absolute Lust, die durch Abwesenheit von körperlichem Leid und durch eine Seele, die frei von Furcht, also ausgeglichen ist, entsteht.” Er wurde in dieser Hinsicht oft falsch interpretiert, ging es ihm doch immer um die Tatsache eines lustbetonten Lebens (im Sinne von Freude), das sich durch die Verhinderung von körperlichen Leids wie Hunger, Durst und Frieren und vor allen Dingen durch Abwesenheit von Furcht auszeichnete.
Welche Ironie, das ausgerechnet in einer Zeit des Überflusses (zumindest für 20 % der Weltbevölkerung) ausgerechnet die Furcht die dominierende Triebfeder in der Erziehung, im Berufsleben und auch im zwischenmenschlichen Miteinander ist. Hat diese Gesellschaft deshalb so wenig Freude am Lernen? Und schenken wir deshalb den vielen einfachen, anständigen, vernunftvollen und gerechten Menschen, die sich so gerne und oft ausgiebig freuen, so wenig Achtung, weil unsere Wertvorstellungen so verschoben sind? Weil unsere Gesellschaft immer weniger vernunftvoll, anständig und gerecht ist?
Im Buddhismus werden Wesen, welche nach höchster Erkenntnis streben, als Bodhisattvas bezeichnet. Interessanterweise hat die Ausprägung dieser Erleuchtung drei Formen, eine davon ist der Saṃbhoga-kāya Körper - der „Freudenkörper”, oder „Körper der Glückseligkeit”. Ein schöpferischer Aspekt, in der Lage Welten ohne Leid hervorzubringen. Eine Welt freilich, die erst in ferner Zukunft erreichbar ist bzw. nur für den Erleuchteten (der den Freudenkörper ausgebildet hat).
Parallelen in Religionen gibt es viele. Eins ist allen gemein: alle rufen dazu auf, die Freude in diesem Leben zu leben. Jetzt!
Es gibt, wie schon gesagt, nicht viel zu tun, sondern sich am Leben und im Leben zu freuen. Ich schließe mit dem Satz:
Wir lachen nicht, weil wir glücklich sind -
wir sind glücklich, weil wir lachen. [4]
 [4] Dieses Zitat stammt von Madan Kataria, Arzt und Erfinder des Lachyogas.
 
Eine schöne Überleitung zum nächsten Teil …

Part IV. Glück

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Irgendwie beschleicht mich an dieser Stelle der Eindruck, die Anwendung des bisher gesagten müsse hierher führen. Welch absichtslose Wahrheit in der Wahl der Reihenfolge - tatsächlich völlig unbeabsichtigt durch den Autor - ehrlich! Gefühlt richtig?!
Eins kann ich sagen: das Glück kommt zu uns, wenn … ja, wenn wir beherzigen, das Liebe, Treue und Freude wichtige Triebfedern auf dem Weg unseres Lebens sind.
Der autobiografische Film über das Leben des 14. Dalai Lama „Kundun” [5] bringt es in einer Szene zum Ausdruck:
Die Lehrer des 14. Dalai Lama haben sich um den jungen Lama versammelt, um ihn einer Prüfung zu unterziehen.
Rinpoche [einer der Hauptlehrer] ermahnt Kundun zur Demut und fragt ihn dann:
„Was ist die Ursache des Leidens? Sagt etwas! Denkt daran, was ihr wisst …“
Da antwortet Kundun nach einer kurzen Pause aus voller innerer Überzeugung:
„Erstens muss jeder verstehen lernen,
dass er sein eigenes Leiden oft unnötigerweise verursacht.

Zweitens sucht jeder in seinem eigenen Leben nach den Gründen dafür.
Die Suche ist das Vertrauen in die eigene Fähigkeit, das Leiden zu beenden, wodurch in jedem der Wunsch entsteht, einen Weg zum Frieden zu finden.
Wer das beherzigt, wird zum Glück finden und endlich zu seinem wahren Selbst.“

[5] Kundun ist ein Film des US-amerikanischen Regisseurs Martin Scorsese aus dem Jahr 1997 und schildert das Leben von Tendzin Gyatsho, dem 14. Dalai Lama Tibets, von seiner Auserwählung 1937 bis zu seiner Flucht vor den chinesischen Besatzern 1959 nach Indien [Quelle des Textes: Wikipedia]
 
Glück ist also ein Geschenk, das den erwartet, der sein Leben in in voller Erkenntnis der Tatsache begreift, das er alle Fähigkeiten zum Beenden des Leidens besitzt. Die Parallelen zum Christentum sind frappierend, auch hier ist die Heilung aller Leiden im Gläubigen angelegt: ich spreche von der Heilung des Blinden [6] 
Was willst du?“ fragte Jesus. „Was soll ich für dich tun?“ Der Blinde sagte: „Mein Herr und Meister, ich möchte wieder sehen können!“ Jesus antwortete: „Geh nur, dein Vertrauen hat dir geholfen!“ Im gleichen Augenblick konnte er sehen [...]
[6] Markus 10. 46-52.
 
Doch Vorsicht, allzu leicht kommt man in die Versuchung zu sagen: Hilf dir selbst, dann hilft dir Gott. Beide hier zitierten Meister des Mitgefühls und der Liebe zeigen nur die Spitze des Eisberges, den Höhenflug der Möglichkeiten, ein Endziel. Der Weg dahin ist mit für die meisten Menschen mit Mühen gepflastert, die Disziplin der Liebe, der Treue und der Freude erst noch zu erlernen und zu praktizieren, bevor die roten, saftigen Glücksäpfel vom Baum der persönlichen Erkenntnis fallen können.
Glück ist ein Zustand, der sich von selbst einstellt oder wie Viktor E. Frankl  [7]  sagt,
Glück „ereignet” sich.

[7] Viktro E. Frankl, Der Erfinder der Logotherapie

In diesem Sinne wünsche ich uns zum guten Schluss nicht Glück, das "Grosse Glück" - denn es kommt sowieso. Ich wünsche uns Liebe im Herzen, geschenkte und verschenkte Treue und ein Leben mit einem Lächeln der Freude auf den Lippen.

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